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Was Väterchen Frost kann:

Du bist frei
Du kannst gehen wohin Du willst
Du kannst werden wer Du willst
Du kannst alles aus Dir machen
Du bist frei
Du hast die Wahl
Es liegt alles an Dir
Du kannst Dich entscheiden
Du bist frei
Ist das nicht schrecklich?
Verstehen heißt, Wissen
über Bord zu werfen.
Thich Nath Hanh
"Das Leben ist ungerecht." beschwerte sich ein Freund.
Finde ich gar nicht: es gibt immer wen, dem es besser geht als Dir. Es
gibt immer wen, dem es schlechter geht als Dir. Und das geht jedem so.
Also ist das Leben vollkommen gerecht.
Arbeitstag eines Mathematikers.
Ich arbeite an einem Skript. Plötzlich kommt mir eine Aussage, am
Vortag leichtfertig hingeschrieben, gänzlich unglaublich vor. Ich
suche Gegenbeispiele. Erste triviale Beispiele widerlegen die Aussage
nicht. Ich mache einen Plan zur Berechnung komplizierterer Beispiele.
Die Rechnungen ufern aus. Es wird Mittag. Am frühen Nachmittag
sehe ich, dass ich keine Gegenbeispiele bekomme. Ich denke nochmal
über die Aussage nach. Jetzt scheint sie mir plausibel. Ob ich
einen Beweis finden kann? Ich grüble. Da fällt mir eine alte,
längst verworfene Konstruktion ein, seinerzeit für andere
Zwecke gemacht, mittlerweile durch effektivere ersetzt. Nach
längerem Nachdenken sehe ich, dass diese Konstruktion
tatsächlich einen Beweis liefern könnte, wenn zwei
Teilaussagen wahr sind. Ich denke über die Teilaussagen nach. Die
erste kriege ich nach kurzer Zeit, die zweite ist widerspenstiger, ich
brauche einen ganz anderen Ansatz. Während ich über diesen
anderen Ansatz nachdenke, sehe ich, dass meine ursprüngliche
Aussage, die die ganze Arbeit auslöste, eigentlich völlig
klar ist. Ich denke darüber nach, wie ich diese neue Erkenntnis zu
Papier bringe. Es wird Abend.
Fazit eines Arbeitsages: Ich ändere ein Komma.
Da ist
der literaturbesessene Bauer, der,
seine Leidenschaft mit dem Beruf
verbindend,
seinen Kühen nach der
Fütterung
Gedichte vorliest, was diese
mit zufriedenem Mampfen quittieren.
Kunstliebhaber allemal.
Schmerzen
unter Schmerzen kommen wir in die Welt
unter Schmerzen gehen wir aus der Welt
und dazwischen
ist es auch nicht viel besser
(geschrieben anlässlich einer Depri-Phase meiner Tochter. Hat auch
gewirkt: nach Vortrag des Gedichts war sie sogleich erheitert.)
Wenn es mir gelingt, den Augenblick zu
fangen und meine Seele zum Stillstand zu bringen, dann wird sich von
dem Moment an die ganze Welt um diesen Fixpunkt drehen.
AD
Hölderlin
Alles
prüfe der Mensch, sagen die
Himmlischen,
Daß er, kräftig genährt, danken für Alles
lern,
Und verstehe die Freiheit,
Aufzubrechen, wohin er will.
Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es gibt einen
hohlen Klang, dann ist nicht unbedingt das Buch daran schuld.
Josella Simone Playton
Man is willing to die for any idea, provided he does not
understand it.
G.K. Chesterton
Eine Sache vollkommen zu verstehen und dieselbe Sache vollkommen
mißzuverstehen sind zwei Dinge, die nicht immer vollständig
voneinander getrennt werden können.
Robert Musil
You don't understand my philosophy!
But that is the way progress is made: each generation
misunderstands the previous one.
Harish-Chandra
A hen is only an egg's way of making another egg.
Samuel Butler
Seek simplicity and distrust it.
A.N. Whitehead
If a man will begin with certainties, he shall end in doubts; but
if he will be content to begin with doubts, he shall end in certainties.
Sir Francis Bacon
Die Universitätsverwaltung zum Physik-Fachbereich: Warum
braucht ihr Jungs immer so teure Maschinen? Könnt ihr nicht so
arbeiten wie die Mathematiker? Alles, was die brauchen, ist Papier,
Bleistift und einen Papierkorb.
Oder, noch besser, arbeitet wie die Philosophen. Alles, was die
brauchen, ist Papier und Bleistift.
"Die Nummer, die Sie gewählt haben, ist imaginär. Bitte
drehen Sie Ihr Telefon um 90 Grad und wählen Sie erneut."
Dr. Fox erzählt Unsinn
Der Vortrag, den Myron L. Fox vor den versammelten Experten im Jahre
1970 hielt, trug den eindrucksvollen Titel
Die Anwendung der mathematischen
Spieltheorie in der Ausbildung von Ärzten. Und den
Teilnehmern des Weiterbildungsprogramms der University of Southern
California School of Medicine wurde Fox als »Autorität auf
dem Gebiet der Anwendung von Mathematik auf menschliches
Verhalten« vorgestellt. Er beeindruckte die Zuhörer mit
seinem gewandten Auftritt derart, dass keiner von ihnen merkte: Der
Mann war Schauspieler und hatte keine Ahnung von Spieltheorie.
Alles, was Fox getan hatte, war, aus einem Fachartikel über
Spieltheorie einen Vortrag zu entwickeln, der ausschließlich aus
unklarem Gerede, erfundenen Wörtern und widersprüchlichen
Feststellungen bestand, die er mit viel Humor und sinnlosen Verweisen
auf andere Arbeiten vortrug. Hinter dieser Täuschung standen John
E. Ware, Donald H. Naftulin und Frank A. Donnelly, die mit dieser
Demonstration eine Diskussion über den Inhalt des
Weiterbildungsprogramms initiieren wollten. Das Experiment sollte die
Frage beantworten: Ist es möglich, eine Gruppe von Experten mit
einer brillanten Vortragstechnik so hinters Licht zu führen, dass
sie den inhaltlichen Nonsens nicht bemerken? John Ware übte
stundenlang mit dem Schauspieler: »Das Problem war, Fox davon
abzuhalten, etwas Sinnvolles zu sagen.«
Fox war sich sicher, dass der Schwindel auffliegen würde. Doch das
Publikum hing an seinen Lippen und begann nach dem einstündigen
Vortrag, fleißig Fragen zu stellen, die er so virtuos nicht
beantwortete, dass niemand es merkte. Auf dem Beurteilungsbogen gaben
alle zehn Zuhörer an, der Vortrag habe sie zum Denken angeregt,
neun fanden zudem, Fox habe das Material gut geordnet, interessant
vermittelt und ausreichend Beispiele eingebaut. Die Tatsache, dass der
Stil eines Vortrags über seinen dürftigen Inhalt
hinwegtäuschen kann, hieß bald nur noch der
»Dr.-Fox-Effekt«.
Auch nachdem die Zuhörer über die wahre Identität von
Fox aufgeklärt worden waren, erkundigten sich einige von ihnen
nach weiterführender Literatur. Der Vortrag – obwohl nichtssagend
und als Betrug entlarvt – hatte durch seinen Stil offenbar das
Interesse am Thema geweckt. Ware schlug darauf eine innovative Methode
vor, die Motivation der Studenten zu steigern: Professoren
könnten, anstatt selber Vorlesungen zu halten, Schauspieler
dafür trainieren. In der Los Angeles Times schrieb daraufhin ein
Journalist: »Diese Untersuchung hat Implikationen, die selbst
ihre Autoren nicht bemerkt haben. Wenn ein Schauspieler ein besserer
Lehrer ist, warum nicht auch ein besserer Parlamentarier oder sogar ein
besserer Präsident?« Sieben Jahre später wurde Ronald
Reagan Präsident der Vereinigten Staaten.
aus: ZEIT 16.09.2004